18 19 Die Liebe der Künstler*innen zur bundesweit bedeutsamen Spielstätte in der Siegburger Straße geht indes nicht nur durch den Magen. Es ist das Gesamtkonzept, das den exzellenten Ruf ausmacht. Dabei spielen auch die baulichen Komponenten eine Rolle: „Viel Platz, keine Treppen“, bringt Harald Kirsch den Vorteil des Standorts auf den Punkt. Von Stadtgeschichten und Standortvorteilen Hintergrund: Das Gebäude der früheren Jutespinnerei, Baujahr 1868, ist seit 1981 im Besitz der Stadt Bonn, die hier lange Zeit als Theaterspielstätte die „Halle Beuel“ unterhielt. 2016 bezog das Pantheon das leerstehende Gebäude, nachdem das alte Domizil am Bundeskanzlerplatz abgerissen worden war. Das erste Pantheon residierte seit seiner Gründung im Oktober 1987 in Sichtweite des Bundeskanzleramtes und war ein Labyrinth mit vielen Dafür erklärt sich Harald zuständig, obwohl es nicht zu seinen zentralen Aufgaben gehört. Harald Kirsch, Jahrgang 1961, ist im Pantheon verantwortlich für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit – und ansonsten Mädchen für alles. So wirkt er etwa an der Programmplanung mit, zurzeit disponieren Kirsch und Pantheon-Chef Rainer Pause schon Künstler*innen fürs Jahr 2027. Musik geht durch den Magen Und jetzt steht Harald in der Küche, schneidet Paprika, Karotte und eine Zwiebel in Würfel, gibt Olivenöl in einen sehr großen Topf, brät die Grundzutaten an, fügt Bohnen, Sojagranulat, passierte Tomaten und Gemüsebrühe bei. Nicht zu vergessen: eine Tafel Zartbitterschokolade. „Das bringt den gewissen Pfiff“, sagt Harald. Von Haralds „Chili sin Carne“ und weiteren Rezepturen profitieren auch andere durchreisende Künstler*innen, einige bedanken sich sogar auf der Bühne ausdrücklich für die gute Verpflegung im Pantheon. pantheon [′panteon] allen Gottheiten geweiht Das Pantheon ist vor allem als Kabarett- und Comedy-Bühne bekannt. Immer wieder hören wir aber von Musiker*innen aus New York (also den Gött*innen im Jazz), atmosphärisch sei es hier fast wie in den heimischen Clubs. Wir finden: Egal ob Brooklyn oder Beuel, Hauptsache der Vibe stimmt. Heinz Dietl hat das Haus erkundet und blickt empathisch auf die Menschen, die dahinterstecken. „Wo ist Harald?“ – „In der Küche.“ – „Was macht er dort?“ – „Kochen.“ – „Und für wen?“ – „Für David Bowies Saxophonisten!“ Dialoge dieser Art sind durchaus vorstellbar im Pantheon. Denn wenn Donny McCaslin, der unter anderem auf Bowies letztem Album Blackstar Saxophon spielte, im April für ein Konzert beim Jazzfest Bonn im Beueler Kulturtempel aufschlägt, ist eines klar: Vor dem Auftritt gibt’s lecker Essen backstage in der Küche des Hauses. Treppen, engen Gängen und versteckten Garderoben. In der rechtsrheinischen Diaspora fand man eine neue Bleibe mit viel Beinfreiheit. In den Genuss der großzügigen Platzverhältnisse kommen Betreiber*innen, Publikum und Künstler*innen gleichermaßen. In der 1.100 Quadratmeter großen Fabrikhalle finden 435 Zuschauer Platz – mit bester Sicht auf die 170 Quadratmeter große Bühne. Hinter einem Vorhang versteckt sich noch eine „Pantheon Lounge“ für intime Veranstaltungen. Auch backstage zeigt sich das Pantheon großzügig. Fünf, sechs Räume dienen als Garderoben. Ein innenarchitektonisches Juwel stellt die Küche mit ihrer kleinen Galerie dar. Denn auch im Pantheon gilt, wie bei jeder gute Fete: Man trifft sich in der Küche. ➜ Save the vinyl! Harald Kirsch mit Lieblings-Platten
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