zettbe: das magazin zum jazzfest bonn 2026

Esperanza Spalding ist eine dieser seltenen Künstlerinnen, die sich mühelos zwischen den Welten bewegen: Bassistin und Sängerin, Bandleaderin und CommunityAktivistin, gleichermaßen zu Hause in der Jazztradition wie in modernen, offenen Formen. In den späten Neunzigerjahren hat sie vielen Menschen die Tür zum Jazz geöffnet, auch mir. Nicht dadurch, dass sie ihn erklärte, sondern indem sie ihn verkörperte: mit intelligenten Grooves, großzügiger Virtuosität, niemals verkopft, sondern mit Spielfreude, Leichtigkeit und einer klaren Haltung. Zum Jazzfest Bonn Extended kommt Spalding in diesem Jahr mit ihrem langjährigen Trio. Nach einem groß angelegten Projekt zwischen Musik und Heilung, einer eigenen Oper und Tanz-Kollaborationen wirkt das Format beinahe bescheiden. Doch Intimität, so zeigt sich, kann radikal sein. Als wir uns zu unserem VideoGespräch treffen, schaue ich aus dem Fenster in einen dunklen, deutschen Winterabend. Auf meinem Bildschirm ist es früher Morgen in Portland, Oregon. Das Licht auf Spaldings Seite des Atlantiks ist hell, genau wie ihre Präsenz. Sie hört aufmerksam zu, antwortet bedacht und denkt in weiten, kreisenden Bewegungen. Schnell öffnet sich das Gespräch in eine tiefere Ebene. Es geht um Tanz und Musik, Technologie und Geschichte, Freundschaft und Reibung sowie um Freude als mächtiges, verbindendes Element. ➜ 29 28 „Wenn das Leben brutal ist, muss die Medizin stark sein“ Ein Gespräch über Trios, Tanz, Technologie und die Freude, die alles überdauert. Interview: Fabian Junge Esperanza Spalding Esperanza Spalding spielt am Samstag, 27. Juni, im Opernhaus

RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ2Nzg=