35 34 „eine eigene Version zu schaffen“. Die Interaktion zwischen den Musiker*innen erfordere, sehr wach zu sein. „Keine KI und keine Maschine kann Live-Musik ersetzen. Um glücklich zu sein, brauchen Menschen andere Menschen um sich herum. Das in Musik übersetzen kann in meinen Augen der Jazz am besten – insbesondere im Bigband-Zusammenhang.“ Von Rundfunk-Orchestern bis zur Avantgarde Bigbands haben sich vor ziemlich genau 100 Jahren aus dem New-Orleans-Jazz entwickelt. Ihre Blütezeit hatten die grossen Tanzbands in den mittleren Dreißigerjahren. Benny Goodmans Bigband oder das über fünf Jahrzehnte aktive Duke Ellington Orchestra etwa waren für die Swing-Ära stilprägend. ➜ Ein Viertel ihrer Auftritte führt in andere Regionen Finnlands, zweimal im Jahr geht es ins Ausland. In Bonn werden sie mit Jazzmeia Horn auftreten. Dass die USamerikanische Jazzsängerin ein vom Bebop und Swing gespeistes Traditionsbewusstsein mit gegenwartssatten Texten verbindet, lässt die Zusammenarbeit zum perfekten Match werden. Das Glück der Gruppe Auch wenn das nach einem durchgetakteten Alltag klingt, stecken in den Auftritten von UMO reichlich Überraschungsmomente – was Steidel-Luoto im Wesen des Jazz begründet sieht. Sie ist selbst ausgebildete Musikerin, genauer gesagt: Posaunistin. Die Welt der Bigbands lernte sie erst nach ihrer klassischen Ausbildung kennen. Anders als in der Klassik, „wo das Ziel ist, eine Komposition möglichst perfekt zu spielen“, gehe es beim Jazz darum, Unlängst war das Ensemble wieder im Studio; ihr zweites Album wird am 29. Mai bei UNIT Records erscheinen – und ist vorab beim Jazzfest Bonn zu erleben. Dort bestreiten sie zusammen mit dem UMO Helsinki Jazz Orchestra den finalen Abend. UMO: Geschmeidig aufeinander eingespielt Wenngleich das Akronym der Finnen für „Uuden Musiikin Orkesteri“ (Orchester Neuer Musik) steht, verbirgt sich dahinter eine eher klassisch orientierte Bigband, die 2025 ihr 50. Jubiläum feierte. Das 16-köpfige Orchester sei „etwas sehr Besonderes“, findet Henriika Steidel-Luoto, Geschäftsführerin des Ensembles – „nicht nur im finnischen Kontext, auch darüber hinaus“. In Anbetracht der etwa 100 Konzerte, die das UMO im Jahr spielt, und der durchweg fest angestellten Besetzung Das UMO Helsinki Jazz Orchestra, angefeuert von Jazzmeia Horn DIE KRAFT DES KOLLEKTIVS Musik mit einem großen Ensemble auf die Bühne zu bringen, kostet Zeit, Geld und macht viel Arbeit – und sorgt auf Musiker*innen-Seite wie auch beim Publikum erstaunlich verlässlich für Glücksgefühle. Am letzten Abend des Jazzfest Bonn treten zwei Ensembles auf, die sich der Jazztradition auf sehr unterschiedliche Weise nähern: Das Kölner Fuchsthone Orchestra und das UMO Helsinki Jazz Orchestra. Stephanie Grimm hat mit ihnen gesprochen – über Traditionen und Spielkulturen, über Menschliches und darüber, warum eine Bigband mehr ist als die Summe ihrer Teile. Wie Pferde, die nach einem langen Winter im Stall wieder auf die Weide dürfen: So beschreibt Caroline Thon die Energie, wenn das Fuchsthone Orchestra, das sie zusammen mit Christina Fuchs leitet, neue Musik vor Publikum präsentiert. Nach dem Feilen an der Komposition, einem recht einsamen Prozess, auf dem die konzentrierten Proben mit dem Ensemble folgen, entlädt sich live eine bemerkenswerte Energie. „Es geht unglaublich ab – es ist eine Freude, was da auf der Bühne passiert“, sagt Thon. Das in Köln ansässige, 2019 gegründete Ensemble mit über 20 Musiker*innen ist verwurzelt im Jazz, streckt seine Fühler aber auch in Richtung Neue Musik, Elektronik und Rockmusik aus. Für Genregrenzen interessiert man sich derweil kaum. 2023 erschien ihr Doppelalbum Structures & Beauty, ein wilder Ritt durch Stimmungen und Klangfarben. (die meisten spielen bis zur Rente in der Bigband) hat sie durchaus einen Punkt: Die Musiker sind geschmeidig aufeinander eingespielt. „Am besten klingt es, wenn ein Komponist oder Arrangeur weiß, für wen er schreibt“, findet Steidel-Luoto. Die Ausbildung sei in Finnland sehr traditionell, verglichen mit den Jazztraditionen anderer skandinavischer Länder. Mittlerweile steht das UMO bei allem Traditionsbewusstsein jedoch für eine breite stilistische Palette. Das Gros ihrer Auftritte findet in Helsinki statt, wo das Ensemble zugleich Stadtorchester ist: Ein Kinderprogramm ist ebenso fester Bestandteil ihres Konzertkalenders wie Kooperationen mit internationalen Stars oder Clubkonzerte.
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