37 Ende der Vierzigerjahre kam es zu einem Bigband-Sterben, das in erster Linie finanzielle Gründe hatte. Zugleich taten sich neue Räume auf: Immer wieder erlagen Musiker*innen und Komponist*innen dem Reiz, mit großer Besetzung zu arbeiten – vom afrofuturistisch grundierten Freejazz des Sun Ra Arkestra über Charles Mingus, der Swing und Hardbop mit AvantgardeJazz amalgamierte, bis zu den zeitgenössischen Pionierinnen Carla Bley und Maria Schneider. Heute gibt es auch hierzulande eine bemerkenswerte Vielfalt von Ensembles – wobei sich Genregrenzen zunehmend auflösen: Etwa bei der Münchener Jazzrausch Bigband, die Jazz, Techno, House und klassische Elemente fusioniert; oder dem avantgardistischen Andromeda Mega Express Orchestra, 2014 zu Gast beim Jazzfest Bonn, das sich als Synthese aus Kammerensemble und Bigband beschreiben lässt. Fuchsthone: ein Orchester von Solist*innen Das Fuchsthone Orchestra allerdings versteht sich gar nicht als Bigband, sondern als „Orchester von Solist*innen.“ Dazu Caroline Thon: „Man sieht zwar eine Bigband, aber es hört sich nicht so an“, erklärt sie. „Nicht zuletzt wegen der Solistinnen, die andere Stimmen einbringen als jene, die Bigband-typisch sind.“ Beim Fuchsthone Orchestra sind das Violine, Gesang und Elektronik. Und aktuell zudem ihre Gastmusikerin Evi Filippou an Vibraphon und Percussion. Ihre Faszination für das Format erklärt Fuchs damit, dass sich das Komponieren wesentlich farbenreicher gestaltet, als beispielsweise für ein Quartett. „Bei einem großen Ensemble gibt es eine grössere Farbpalette, wodurch ein komplexerer Orchestersound entsteht.“ Sowohl Thon als auch ihre Mitstreiterin Fuchs sind gelernte Saxophonistinnen. Beide haben auch früher schon Bigbands geleitet, das Fuchsthone Orchestra führen sie nun als Doppelspitze – wobei sie ein kommunikationsorientiertes, integratives Verständnis ihrer Leitungsrolle haben. Wenn sie über den Entstehungsprozess der Stücke reflektieren, ist den beiden die Faszination für den Faktor Mensch anzumerken. „Wichtig ist der Austausch mit den Musiker*innen im Vorfeld und ganz konkret in den Proben. Ich weiß meistens genau, für wen ich welche Partie schreibe, weil ich weiß, was ich von den Spieler*innen erwarten kann und wo ihre Stärken liegen“, erklärt Fuchs. Man kann sich auch gegen KI entscheiden Und natürlich wissen die Musiker*innen am besten, wie sie den Sound aus ihrem Instrument herausholen. „Für mich ist es beispielsweise schwierig, für Gitarre zu schreiben, weil ich die besten Griffmöglichkeiten nicht kenne. Da lerne ich viel in der Zusammenarbeit mit unserem Gitarristen Andreas Wahl. Mit all diesen Gesprächen zwischen Komponistin und Spieler*innen kommen wir am Ende zu einem ganz anderen Soundergebnis, als wenn wir den Musiker*innen direktiv sagen: Spiel das mal genau so.“ Und Thon ergänzt: „Diese Arbeitsweise ist Gold wert, weil wir aneinander wachsen können. Ich habe in meiner ganzen Laufbahn nie so viel geschrieben wie für das Fuchsthone Orchestra.“ Dass am Ende des Prozesses mehr als die Summe der einzelnen Teile entsteht, ist etwas, „was eine KI nicht generieren kann“, erklären sie. Gleichzeitig betrachten die beiden die aktuellen Entwicklungen in diesem Bereich mit Unbehagen. „Speziell für den musikalischen Sektor ist Künstliche Intelligenz unfassbar besorgniserregend.“ Aber Fuchs betont: „Man hat immer eine Wahl“ – nicht zuletzt das Publikum, das Musik hören will. Und ihre Mitstreiterin fügt hinzu: „Bei mir setzt diese Entwicklung den Impuls frei, zu sagen: Jetzt erst recht!“ ❚ Stephanie Grimm schreibt u.a. für taz, Tip, Kunst+Film und Musikexpress zu kulturellen Themen, am liebsten über Musik und Film – und gelegentlich auch über andere lebenswichtige Dinge wie Schlaf und gutes Essen. Gast an Vibraphon und Percussion: Evi Filippou Christina Fuchs und Caroline Thon Die Solist*innen-Bigband: Das Fuchsthone Orchestra www.PhoenixReisen.com · Telefon 0228/9260-200 Buchbar auch in Ihrem Reisebüro blue sky blue sea blue notes Das Fuchsthone Orchestra feat. Evi Filippou & das UMO Helsinki Jazz Orchestra feat. Jazzmeia Horn spielen am Samstag, 9. Mai, im Telekom Form
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