5Fragen an Jazzmeia Horn Wenn klassischer Bigband-Sound auf zeitgemäße, bisweilen feministische Texte trifft, ist Jazzmeia Horn nicht weit. Als Musikerin und als Mensch verfolgt sie konsequent ihren eigenen Weg. Zum Finale des Jazzfest Bonn tritt die Sängerin mit dem UMO Helsinki Jazz Orchestra im Telekom Forum auf. 1 Wie fühlt es sich an, gerade jetzt nach Deutschland und Europa zurückzukommen? Ich mag Europa sehr und komme regelmäßig her. In letzter Zeit habe ich etwas Schönes beobachtet: Das Publikum wird jünger. Viele junge Menschen kommen nach den Konzerten auf mich zu, erzählen mir, dass sie meine Musik hören oder dass ich sie inspiriert habe. Sie sind neugierig und begeistert. Als 35-Jährige freut mich das sehr. Es gibt mir Energie und hält mich in Bewegung. 2 Was kann Jazz einer jüngeren Generation heute bieten? Ich glaube, gerade junge Frauen verbinden sich mit meiner Musik, weil Jazz ein sehr expressives Medium sein kann. Lange Zeit durften Frauen ihre Meinung nicht äußern und waren im öffentlichen Raum unsichtbar, nicht nur in der Musik. Jetzt gibt es eine Bewegung, in der Frauen komponieren, arrangieren, performen und dafür auch anerkannt werden. Jazz gibt ihnen das Werkzeug dafür, mehr noch: Er gibt uns eine Stimme. 3 Deine Musik würden viele als „StraightAhead“-Jazz bezeichnen. Warum ist diese Tradition für dich heute noch relevant? Weil es das ist, was meine Vorfahren gemacht haben. Ich muss nicht wie jemand anderes sein. Bevor Jazz Jazz war, war er Teil des Weges, wie Schwarze Menschen im Süden der USA mit der Unterdrückung umgegangen sind. Wir haben Jazz als eine Form von Spiritualität genutzt. Er kommt aus dem Blues. Und wenn man klassische Musik hinzufügt, wird es hip. Es ist meine Kultur, und ich ehre sie. 4 Du schreibst auch eigene Texte, die sehr zeitgenössische Themen verhandeln. Warum war dir das wichtig? Die meisten Jazz-Standards wurden von Männern geschrieben und handeln davon, eine Frau zu umwerben. Ich bin eine Frau. Ich muss mich nicht selbst romantisieren. Ich habe etwas anderes zu sagen. Ich glaube, genau deshalb fühlen sich junge Menschen angesprochen. Man kann etwas Altes nehmen und es relevant machen. Für mich ist diese Musik nicht alt. Sie entwickelt sich ständig weiter. Es ist das Alte und das Neue zusammen, hier, in der Gegenwart. Das ist Jazz für mich. 5 Bigbands spielen eine zentrale Rolle in deiner Arbeit. Was bedeutet es dir, mit großen Ensembles zu arbeiten? Ich wollte immer in einem großen Ensemble singen, aber nicht warten, bis ich in meinen Vierzigern oder Fünfzigern bin. Mein Ziel war: Mit 30 singe ich mit einer Bigband. Aber niemand in meinem Label wollte das Risiko eingehen. Also bin ich unabhängig geworden und habe mein eigenes Large Ensemble gegründet. Heute spiele ich meine eigene Musik mit Bigbands auf der ganzen Welt. Das ist eine meiner größten Errungenschaften. Ich bin gesprungen – und auf meinen Füßen gelandet. Mit dem UMO Helsinki Jazz Orchestra zu spielen, fühlt sich besonders gut an. Alle sind begeistert, herzlich und voller Freude. Das hört man ihrer Musik an. ❚ Fabian Junge 39 38 „Gerade junge Frauen verbinden sich mit meiner Musik“ Mit Jazzmeia improvisieren? Leadsheets gibt‘s auf www.artistryofjazzhorn.com Jazzmeia Horn ist mit dem UMO Helsinki Jazz Orchestra am Samstag, 9. Mai, im Telekom Forum zu hören
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